Sonntag, 10. August 2025

Bürgermeister*innen - Wahl 2025 in Wuppertal

 


Bedeutung von „Chancengleichheit“ im Kontext Wuppertal



  • Für Bürger*innen, die hier leben:
    Chancengleichheit müsste bedeuten, dass alle unabhängig von Herkunft, Einkommen, Kontakten oder Bildungshintergrund dieselben realistischen Möglichkeiten haben, an gesellschaftlichem Leben, Bildung und Arbeit teilzunehmen. In der Realität klaffen hier große Lücken – zwischen wohlhabenden und einkommensschwachen Quartieren, zwischen Menschen mit starken Netzwerken und denen, die keine Zugänge haben.
  • Für Zugezogene und Geflüchtete:
    Ob aus Kriegsgebieten, anderen Kulturkreisen oder aus persönlichen Gründen hierhergekommen – Chancengleichheit wäre, ihnen denselben Zugang zu Bildung, Arbeit, Wohnraum und politischer Teilhabe zu ermöglichen wie Einheimischen. Die Praxis zeigt oft Barrieren: sprachlich, bürokratisch und kulturell.
  • Im Bildungssystem:
    Theoretisch sollten alle Kinder und Jugendlichen denselben Zugang zu hochwertiger Bildung haben. In der Praxis beeinflussen sozioökonomische Faktoren (Wohngegend, familiäre Unterstützung, finanzielle Mittel) massiv die schulischen und beruflichen Perspektiven. Das Bildungssystem in Wuppertal ist, wie in vielen Städten, stark von diesen Ungleichheiten geprägt.
  • Für Oberbürgermeisterkandidat*innen:
    Hier wird die Ironie deutlich – selbst in der politischen Repräsentation gibt es keine echte Chancengleichheit. Kandidatinnen mit starken Parteistrukturen, finanzieller Unterstützung, wirtschaftlichen Netzwerken und medialer Reichweite haben deutlich größere Chancen. Unabhängige oder weniger finanzkräftige Kandidatinnen sind oft schon vor dem eigentlichen Wahlkampf im Nachteil.






Verbindung zum Kunstwerk



Das Bild wirkt wie ein Geflecht aus miteinander verflochtenen, teils kämpfenden, teils verschmelzenden Figuren und Formen.

Es könnte für die komplexen Kräfteverhältnisse in einer Stadtgesellschaft stehen:


  • Starke, dominante Figuren (große, markante Linien)
  • Kleinere, kaum wahrnehmbare Gestalten (feine, verschlungene Linien)
  • Verbindungen, die wie unsichtbare Netzwerke wirken (überlappende Strukturen)



Der Titel „Chancengleichheit“ wird so fast zu einer provokativen Frage – nicht als Feststellung, sondern als Herausforderung an die Realität. Das Werk könnte gelesen werden wie ein Mikrokosmos der kommunalen Machtspiele: sichtbar und unsichtbar, laut und leise, über- und unterrepräsentiert.




Demokratiefrage



Du stellst am Ende die entscheidende Frage: „Wo ist die Chancengleichheit überhaupt für eine Demokratie in der Zukunft?“

Aus demokratietheoretischer Sicht liegt hier der Kern: Wenn strukturelle Ungleichheiten, finanzielle Ressourcen und Netzwerke den Zugang zu politischen Ämtern ungleich verteilen, verliert Demokratie einen Teil ihres Versprechens. Auf kommunaler Ebene, wo Nähe und Transparenz am größten sein sollten, ist dies besonders sichtbar – und besonders enttäuschend.


Samstag, 26. Juli 2025

1190 - Rojo -

 



Andreas Stock – „Rojo“ (2025)



in Bezug auf den Song „Agua“ von Jarabe de Palo


Ein rotes Fragment. Stofflich. Spürbar. Wie ein Cut im Raum, eine Markierung auf der Haut der Erinnerung.

In „Rojo“ setzt Andreas Stock Farbe und Material nicht dekorativ ein – sondern existent. Der rote Stoff, der die schwarze Geste durchbricht, erinnert an ein verletzbares Zentrum, ein Herz, eine Öffnung.


Im Hintergrund fließt eine organische Landschaft – rosa, grün, fleischlich und kartografisch zugleich. Ein Fuß tritt hervor, nicht als Symbol des Weges, sondern als Hinweis auf das Körperhafte, das Fragile.


Die Referenz auf den Song „Agua“ von Jarabe de Palo öffnet das Werk in eine klanglich-emotionale Ebene. „Agua para la sed / Agua para el dolor“ – Wasser gegen den Schmerz, gegen die Leere. Und doch bleibt hier das Rot: als Hitze, als Herz, als Störung, als Leben.


„Rojo“ ist somit keine Antwort, sondern ein Spannungszustand: zwischen Fläche und Tiefe, zwischen Haut und Fläche, zwischen Bild und Klang.



„Rojo“ im Kontext der Wuppertaler Schule



Materialität, Fragment, Existenzialität


  1. Materialität als Bedeutungsträger:
    In der Wuppertaler Schule – etwa bei A. R. Penck, Frank Breidenbruch oder jüngeren Positionen – wird Material nicht illustrativ verwendet, sondern als eigenständiger Träger von Inhalt und Widerstand. Auch in „Rojo“ ist das rote Textil nicht Beiwerk, sondern ein Bruch, eine Fläche mit Präsenz – greifbar, sinnlich, real.
  2. Körper, Spur, Fragment:
    Wuppertaler Künstlerinnen und Künstler arbeiten oft mit Körpermetaphern, mit Spur, Abdruck, Fragmentierung. Das Werk „Rojo“ zeigt Körperteile (ein Fuß?), organische Formen und wirkt wie ein geöffneter Körper-Atlas – ganz in der Tradition des körperlich-expressiven, aber intellektuell gebrochenen Ausdrucks, wie ihn die Wuppertaler Positionen seit den 1980ern pflegen.
  3. Transmedialität:
    Die Verbindung von Bild und Musik – hier durch die Referenz auf Jarabe de Palo – ist typisch für die interdisziplinäre Offenheit, die Wuppertal seit der Ära von Pina Bausch, Tanztheater, bildender Kunst und Jazzperformance durchzieht. Rojo ist in diesem Sinne ein visuelles Gedicht mit akustischem Echo.
  4. Existenzialismus im Alltag:
    Die Wuppertaler Schule ist nie rein formal. Ihre Künstler arbeiten aus dem alltäglichen Riss heraus – oft mit einfachen Materialien, politischem Unterton, aber immer mit einem existenziellen Grundton. In „Rojo“ wird diese Haltung sichtbar: Schmerz, Erinnerung, Widerstand, Leben.





Zusammengefasst:

„Rojo“ steht in der Linie der Wuppertaler Schule durch seinen Zugriff auf Material, Körper, Fragment und Interdisziplinarität – aber mit der eigenen Handschrift von Andreas Stock, die diese Schule nicht kopiert, sondern weiterdenkt.



Donnerstag, 24. Juli 2025

1189 Sommer Sonne Kaktus ( Wuppertaler Schule )

 



„Sommer Sonne Kaktus – Eine Person am Strand“ zeigt eine fragmentierte, farbintensive Komposition, die zwischen Figuration und Abstraktion oszilliert. Die zentrale Form erinnert an eine liegende Figur, umgeben von geometrischen Farbflächen in Gelb, Rosa, Türkis und Schwarz. Einzelne Elemente wirken collagiert oder überklebt, was dem Werk eine skulpturale Tiefe verleiht.


Die Farbpalette – sommerlich, aber gebrochen – wird durch expressive schwarze Linien strukturiert. Besonders auffällig ist ein roter Akzent, der das Auge lenkt und Spannung erzeugt.


Der Titel verweist humorvoll auf Leichtigkeit, kontrastiert jedoch mit der gestückelten Darstellung. Der Kaktus steht sinnbildlich für Isolation, Widerstand und Hitze – Themen, die sich auch visuell widerspiegeln.


Stilistisch bewegt sich das Werk zwischen Neoexpressionismus und Assemblage, mit Anklängen an Penck, Basquiat und Tàpies, zugleich aber mit klar erkennbarer eigener Handschrift. Es thematisiert Körper, Erinnerung und Fragmentierung – poetisch, eigenwillig und zeitgenössisch.

Die „Wuppertaler Schule“ ist kein formal abgegrenzter Kunststil wie die „Düsseldorfer Malerschule“ oder die „Berliner Secession“, sondern eher ein inoffizieller Begriff, der sich auf eine künstlerische Szene oder Haltung aus und um Wuppertal bezieht – insbesondere ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Begriff wird gelegentlich verwendet, um bestimmte Strömungen und Künstlerpersönlichkeiten zu beschreiben, die aus dem Wuppertaler Umfeld stammen oder dort gewirkt haben.





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Wesentliche Merkmale der „Wuppertaler Schule“ (inhaltlich verstanden)



  • Interdisziplinarität: Viele Künstler aus Wuppertal arbeiteten an der Schnittstelle von Malerei, Skulptur, Performance und Musik.
  • Expressive Formensprache: Emotional aufgeladene, oft rohe oder symbolhafte Bildsprache.
  • Materialbetontheit: Einsatz von unkonventionellen Materialien, Mixed Media, Assemblagen.
  • Kritische Haltung: Gesellschaftliche, politische oder existenzielle Themen.
  • Einflüsse aus Fluxus, Art Brut, Neoexpressionismus – häufig aber mit regionalem oder biografischem Bezug.






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Bekannte oder einflussreiche Künstler aus dem Wuppertaler Umfeld




1. A.R. Penck (Ralf Winkler)



  • War zwar kein gebürtiger Wuppertaler, hat aber ab den 1990ern regelmäßig mit Wuppertaler Künstlern zusammengearbeitet – z. B. mit Frank Breidenbruch.
  • Seine archaisch-symbolischen Figuren und seine Affinität zu Trommeln und Zeichen haben stark auf jüngere Künstler in Wuppertal gewirkt.




2. Frank Breidenbruch



  • Bildhauer, Maler und Performer – enger Weggefährte von Penck über viele Jahre.
  • Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine Mischung aus existenziellem Ausdruck, grober Materialität und mythologischer Bildsprache aus.
  • Wichtig für die künstlerische Szene in Wuppertal, auch in ihrer Verbindung nach Italien (z. B. Carrara, Fattoria di Celle).




3. Bernd Schwarzer



  • Bekannt durch seine politisch aufgeladenen Werke zu Deutschland, Europa und Teilung.
  • Farbenstarke, körperlich betonte Malerei, oft mit eingearbeiteten Texturen und Flächen – ideell verwandt mit Wuppertaler Positionen, auch wenn er eher der „Düsseldorfer Schule“ zugerechnet wird.




4. Klaus Rinke, Günther Uecker (Bezüge über die Szene)



  • Uecker war über das NRW-Kunstumfeld immer wieder auch mit Wuppertaler Projekten verbunden.
  • Rinke, als Teil der Konzeptkunstbewegung, war mehrfach in Wuppertal ausstellend präsent.




5. Performance & Tanz (Tanztheater Pina Bausch)



  • Auch wenn Pina Bausch aus dem Bereich Tanz kommt, hat ihre visuelle Sprache (Kostüm, Bühnenbild, Körperausdruck) viele bildende Künstler Wuppertals beeinflusst – ein Grenzgang zwischen den Künsten.






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Der Begriff „Wuppertaler Schule“ heute



  • Er bezeichnet weniger einen festen Stil, sondern ein Netzwerk von künstlerischen Haltungen:
    • unabhängig,
    • expressiv,
    • widerständig,
    • oft mit melancholisch-existenziellem Unterton,
    • regional verwurzelt, aber mit internationalen Bezügen (Italien, Frankreich, Osteuropa).
  • Künstler wie Andreas Stock, die ab den 2020er-Jahren in dieser Tradition arbeiten, greifen Elemente dieser Haltung auf:
    • Collagehafte Struktur,
    • symbolische Fragmentierung,
    • starke Materialästhetik,
    • Verbindung von Körper, Topografie und Erinnerung.




Bürgermeister*innen - Wahl 2025 in Wuppertal

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